Schon lange bevor am Main die Stadt Frankfurt gegründet wurde, soll der Fluss an dieser Stelle ein wichtiger Treffpunkt für die Menschen gewesen sein. »Es gab dort bereits Leben, Musik, Tanz« und auch Essen und Trinken, wie Bernhard Bub sagt. Die Sommerwerft, die der Künstlerische Leiter und sein Team seit nunmehr 25 Jahren zur heißen Jahreszeit am nördlichen Ufer organisieren, knüpft an diese Tradition an. Das internationale Theaterfestival bietet auch diesmal wieder, vom 24. Juli bis 9. August, im Osten der Stadt Konzerte und Kunst, Poesie und Performances bei freiem Eintritt und also mit niedrigschwelligem Zugang. Unter dem Motto »The Ocean starts in Frankfurt« steht dabei das Wasser im Mittelpunkt, speziell an den fünf Tagen, vom 29. Juli bis 2. August, die unter dem Titel »Blue Lab« firmieren. Bei Workshops, Gesprächen, Filmen, Ausstellungen und partizipativen Formaten richtet sich dann der Blick täglich auf einen Teil des Wasserkreislaufs, auf die Quelle, den Fluss, die Küste, den Ozean. Am Ende kommt dann all das bei einer großen Feier zusammen. Den Machern ist es laut Bub wichtig, Kunst nicht nur zum Selbstzweck zu kreieren, sondern damit auch Verantwortung zu übernehmen, die Wahrnehmung zu verändern, Achtsamkeit zu wecken. 2025 spielten dabei Bäume die tragende Rolle, zum halbrunden Geburtstag dreht sich unter Beteiligung zahlreicher Wissenschaftler und Experten alles um das wertvolle Nass, seine Nutzung und Verschmutzung durch die Menschen.
So macht Konrad Zimmermann von einem Ponton auf dem Fluss aus hörbar, was sich unter der Oberfläche regt, und verbindet die Unterwasser-Klänge mithilfe von Elektronik zu einer liquiden Reise. Das Antagon TheaterAKTion und das Ondadurto Teatro aus Rom thematisieren in der Tragödie »Diaspora« die Situation von heutigen Flüchtenden und damit die neo-kolonialen Ausbeutungsstrukturen und die Konflikte wie den Ukraine-Krieg, die auf der Welt bestehen, auf Basis des Schauspiel-Klassikers »Die Troerinnen« von Euripides. »La Mer en Moi« vom Tanzensemble »Of Curious Nature« zeigt auf, wie die heimatlos Gewordenen ihre traumatischen Erlebnisse verarbeiten und einen Neubeginn wagen.
Doch schon an den anderen Tagen prägt die Natur das Programm, so, wie es in anderen Kulturen gar nicht wegzudenken sei, wie Bub betont. In der »Konferenz der Vögel« etwa lässt sich das spanische Künstlerkollektiv »Insectotròpics« von einem persischen Gedicht aus dem zwölften Jahrhundert inspirieren und folgt den Individuen, die ihr Ziel nicht erreichen, weil sie müde, zögerlich, ängstlich sind. Die von der Gemeinschaft aber mitgezogen werden könnten. »Radiant« vom tschechischen Ensemble »Holektiv« nähert sich mit Leichtigkeit, Humor und akrobatischen Fertigkeiten dem ernsten Problem der Lichtverschmutzung.
Es gibt noch viel mehr zu entdecken während der Sommerwerft, und man kann einfach in alles hineinschnuppern und das Gute in sich aufsaugen. So wie seit einem Vierteljahrhundert verlässlich jedes Mal zu dieser Zeit. Der Main liefert diesmal nicht nur die passende Szenerie dazu.
Der Fluss als Basis – »Sommerwerft« vom 24. Juli bis 9. August