Es kommt ein Meister aus Dresden – Museum Wiesbaden: Georg Lührig. Jugendstil und Symbolismus

Oskar Zwintscher hatte man in Wiesbaden unlängst schon eine beindruckende Retrospektive gewidmet, jetzt wird diese Aufmerksamkeit einem seiner Kollegen zuteil: Georg Lührig (1868–1957), der sich einer ganz spezifischen Richtung innerhalb des Jugendstils widmete: dem Symbolismus. Jugendstil, das meinte damals Aufbruch in neue Bildsprachen und Motive, die der Natur entnommen waren und sie in den Fokus der Darstellung rückten, aber auch Neu-Interpretationen von historischen Inhalten. In dieser Zeit der Wandlung und Neu-Findung lebte und arbeitete Georg Lührig. Er scheint sich zeit seines Lebens gegen den bis dato üblichen, sogenannten akademischen Stil gewehrt zu haben und bezeichnete sich trotz intensiver künstlerischer Ausbildung als Autodidakt. Der im Jahr 1919 von Otto Dix gegründeten Dresdner Sezession schloss er sich energisch an.
Schon seine frühen Arbeiten erregten Aufmerksamkeit, so die »Totentanz-Bilder« von 1892. Von 1908 bis 1912 schuf er die Fresken »Der Tag« und »Die Nacht« für das Treppenhaus des Königlichen Kultusministeriums Dresden, die ebenso wie weitere Wandgemälde im zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Diese Wandbilder lässt das Museum nun mithilfe von Vorzeichnungen und Ölstudien, begleitet von digitaler Animation, wieder auferstehen. Sicherlich ist das ein Höhepunkt der Ausstellung.
Um seinen Unterhalt zu finanzieren, schuf sich Lührig neben der Malertätigkeit ein zweites ökonomisches Netz: er arbeitete als Lehrer an der Kunstgewerbeschule Dresden und unterrichtete Mädchen und Frauen, denen der eine akademische Ausbildung an Kunstinstituten seinerzeit verwehrt war. Das brachte ihm die Freundschaft einer Adligen ein, die ihn und seine Familie nach Rumänien einlud. Immer wieder besuchte er das Land, das er auch künstlerisch erfasste.
Trotz aller Präsenz in der Öffentlichkeit, seinen Ausstellungen und Mitgliedschaften in Künstlervereinigungen ist Georg Lührig in Vergessenheit geraten. Das Museum Wiesbaden regt nun zur Wiederentdeckung an zeigt neben Lithografien, Radierungen und Aquarellen auch bislang unveröffentlichte Papierarbeiten.

as
Foto: Georg Lührig, Pelikan, 1900/01,
Albertinum, Gal.-Nr. 2339
© Albertinum | GNM, Staatliche Kunstsammlungen Dresden,
Foto: Jürgen Karpinski
22. Mai 2026 bis 17. Januar 2027: Di., Mi., Fr., Sa., So., 10–17 Uhr, Do., 10–21 Uhr
www.museum-wiesbaden.de

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