Der an den 1977 von der RAF ermordeten Bankmanager Jürgen Ponto erinnernde Kunstpreis war von 2007 an zunächst jährlich für den Nachwuchs der Kunsthochschulen bestimmt und mit einem Stipendium verbunden. Seit sechs Jahren wird die inzwischen mit einem Preisgeld von 10.000 Euro und einer Präsentation im MMK-Ausstellungshaus Zollamt verbundene Auszeichnung der Jürgen-Ponto-Stiftung im zweijährigen Turnus an bereits profilierte junge Künstler*innen vergeben. Ein beeindruckendes Beispiel dafür ist die jüngste Preisträgerin, die französische Künstlerin Tohé Commaret, die bereits in Cannes und zuletzt auf der Berlinale mit Kurzfilmen präsent war.
»Rosa« heißt die eigens für ihre erste institutionelle Ausstellung geschaffene Arbeit, die – wie ihre bisherigen Produktionen – stark autobiografisch geprägt ist. Die in einem Pariser Vorort aufgewachsene Tochter chilenischer Emigranten verhandelt soziale Fragen aus den ihr vertrauten Milieus stets im Kontext persönlicher Erfahrungen. Dafür setzt sie nach eigener Angabe nahezu ausschließlich Frauen aus ihrem familiären und sozialen Umfeld ein. So auch in ihrem jüngsten, den Ausstellungsraum des Zollamts dominierenden 18-minütigen Film über männliche Gewalt und weiblichen Widerstand, in dem ihre beste Freundin Rosa und etliche Tanten mitwirken.
Ausgangspunkt ist das Tagebuch einer jungen Frau namens Newsha, das eine Putzkolonne bei der Arbeit findet. Es erzählt von deren bitteren Erlebnissen mit einem Mann, womöglich gar einem Zuhälter. Wir erfahren das nicht, doch sind es die durchgängig schlimmen eigenen Erfahrungen, die die Arbeiterinnen, sich in einem spanisch-französischen Amalgam verständigend, dazu veranlassen, Newsha vor einem ähnlichen Schicksal zu bewahren. In der Lesart der Filmemacherin erweisen sie sich als Engel, auch wenn ihre Hilfe aus einer Rasierklinge in einem Schokobrötchen besteht und tödlich endet.
»Rosa« ist eine bezaubernde Parabel über weibliche Selbstermächtigung und zugleich eine spannungsgeladene Geschichte, die uns in blassfarbenen Bildern unaufgeregt und lapidar mit der randständigen Lebenswelt selbstbewusster Migrantinnen im Niedriglohnsektor konfrontiert. Unter dem Titel »Mala Onda« (schlechte Vibes) umfasst die Ausstellung drei weitere, kleinere Arbeiten auf Deckenmonitoren. Mehr lässt sich aus einem ausführlichen Gespräch der MMK-Direktorin Susanne Pfeffer mit der Künstlerin im Begleitheft erfahren, das es auch in leichter Sprache gibt.
Das MMK-Zollamt präsentiert Arbeiten der Ponto-Preisträgerin Tohé Commaret