Kortmann & Konsorten bringen »me_hauser« in die Landungsbrücken

Allein in der Welt. Die Lockdowns der vergangenen Monate haben die Figur des Kaspar Hauser zum pandemischen Topos gemacht. Kontaktbeschränkung, Kontaktvermeidung, Quarantäne und Isolation ließen auch das Theaterkollektiv »Kortmann&Konsorten« an den in einem Verließ bei Nürnberg ohne jeden persönlichen Kontakt aufgezogenen Mann denken, dem das Soziale völlig abhandengekommen war.
Dies vorweg: Mit dem Theaterstück von Peter Handke hat zumindest der Aneignungsprozess, dem sich das Team um die Regisseurin Sarah Kortmann unterzog, erstmal gar nichts zu tun, auch wenn absehbar – noch wird geprobt – einige Passagen aus dem Bühnentext verwendet werden könnten. Vielmehr habe man sich das Thema durch eigene Anstrengung angeeignet und auf Basis der bekannten »Fragebögen« von Max Frisch über Begriffe wie Einsamkeit, Alleinsein und Isolation zu erschließen versucht, gibt die Dramaturgin Lucia Primavera einen Einblick. »Was ist der Mensch ohne soziale Interaktion? Sehnt er sich nach den anderen und rebelliert gegen die Einsamkeit? Verliert er die Orientierung? Oder findet er in der Stille zu sich? Gibt es ein Ich ohne eine Du?« lauten die Fragen, denen sich »me_hauser« stellt. Das Ergebnis sei ein dreiteiliger Zugriff mit drei Figuren geworden: »Ein Raum. Ein Mensch, Drei Mal«. Jeder der drei Teile dieses Abends werde eine Figur im Zentrum haben, die das Allein-Sein gesellschaftlich ausleuchtet: den Weg hinein, den Weg heraus und den fiktiven Zustand gänzlich ohne Gesellschaft. »Frei nach dem Fall Kaspar Hauser und den nach ihm benannten Modellen aus Psychologie, Soziologie und Verhaltensbiologie, sucht »me_hauser« nach dem, was in der Leere von uns bleibt, was vergeht und was entsteht.« Mit Gregor Andreska, Julius Ohlemann und Léa Zehaf im Hier und Jetzt, ohne »O Sole Mio«, aber »mit amüsiert lächelnder Note« wird versichert.

gt (Foto: © Niko Neuwirth)

Termin: 25., 26., 27. Februar 2022, jeweils 20 Uhr
www.landungsbruecken.org

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