Nippon Connection – Das 26. Film Festival vom 2. bis 7. Juni in Frankfurt

Nun haben die Themen Fake News, allgemeine Desinformation und digitale Bildmanipulation auch das japanische Filmfestival erreicht. Zunächst in der klassischen Form, aber unverkennbar als Vorboten der heutigen Entwicklung. Denn im Themenschwerpunkt »Shades of Reality – Between Truth and Fiction« geht es darum, dass Filme Wirklichkeit konstruieren, dabei interpretieren und auch hinterfragen. Sie sind also auch ohne digitale Manipulation nicht unbedingt als bare Münze zu nehmen.
In Sho Miyakes »Two Seasons, Two Strangers«, dem Gewinner des Goldenen Leoparden von Locarno im letzten Jahr, stellt sich die Realität später als Phantasiegebilde heraus. In »Fiamma« zeigt Regisseur Eiji Uchida, wie sich bei der Verfilmung eines autobiografischen Romans herausstellt, dass die Bestseller-Vorlage auf einer Lüge der Autorin basiert. Der Film wird als internationale Premiere angekündigt.
Als Deutschlandpremiere läuft »Sai: disaster« von Yutaro Seki und Kentaro Hirase, die von einer mysteriösen Mordserie erzählen und zugleich Zweifel an deren Echtheit säen. Um die letzten Tage eines beliebten Freibades vor dessen Abriss und die verschiedenen Phasen der Trauer seiner Besucher dazustellen, überschreitet Regisseur Shingo Ota in »Numakage Public Pool« die
Grenzen des Dokumentarfilms.
Den Nippon Rising Star Award erhält in diesem Jahr die Schauspielerin Anna Yamada, die seit ihrem Debüt als Hauptdarstellerin in dem psychologischen Thriller »Liverleaf« von Eisuke Naito aus dem Jahr 2018 in einer Vielzahl japanischer Fernseh- und Filmproduktionen mitgewirkt hat. Zu ihren Ehren zeigt das Festival ihren neuesten Film: die gruselige Zukunftsvision »New Group« von Yuta Shimotsu.
Mehr als hundert Kurz- und Langfilme bietet das im Ausland größte japanische Filmfestival an sieben Tagen im Juni einem interessierten Publikum an. Und das kommt jedes Jahr aus ganz Deutschland und Nachbarländern wie Niederlande oder Belgien nach Frankfurt. Denn für jeden Geschmack ist etwas dabei: neue Blockbuster, Animations- und Independentfilme werden zu sehen sein. Darunter befinden sich viele Deutschland-, Europa- und internationale Premieren, oft in Anwesenheit der zumeist sichtlich erfreuten Filmemacher. Auch in diesem Jahr findet eine Retrospektive statt, die dem Schauspieler Tatsuya Nakadai gewidmet ist. Das japanische Kino wartet seit der Stummfilmzeit mit großartigen Werken auf, die hierzulande noch viel zu wenig bekannt sind.
Seit seinen Anfängen bemüht sich das Festival auch darum, die japanische Kultur in Frankfurt bekannter zu machen. Dazu gibt es Vorträge, Workshops und Konzerte. In den Festivalzentren Mousonturm und Produktionshaus Naxos im Ostend kann man japanische Köstlichkeiten probieren und an Marktständen manch Interessantes entdecken. Insgesamt bietet Nippon Connection erneut eine hervorragende Gelegenheit, in eine noch immer fremdartige Welt einzutauchen.

cw / Foto: »Two Seasons, Two Strangers«
© 2025 Two Seasons, Two Strangers Production committee
www.nipponconnection.com

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