Revolution als Komödie Volksbühne startet mit »Feuer! De Maa brennt«

Die Revolution – eine Verwirrungskomödie? Wie wirklichkeitsnah kann das sein? Hinlänglich bekannt ist, dass bei den Barrikadenkämpfern um das Jahr 1968 herum der Alkohol als ein wichtiges Stärkungsmittel galt, die Gastwirtschaft war ein Ort der Debatte. Weniger verbreitet ist das Wissen, dass es bei der Septemberrevolution von 1848 wohl nicht viel anders herging. Die Revolution als Komödie: das ist natürlich ganz nach Art der Volksbühne von Michael Quast. Deren Hausautor Rainer Dachselt hat Quellen im Frankfurter Stadtarchiv studiert, die eine mächtige Konfusion belegen. An dessen Sitz, genauer: im stadtoasenhaft grünen Kreuzgang des Karmeliterklosters, hat zum Paulskirchenjubiläum im Frühjahr die Premiere der Revolutionskomödie »Feuer! De Maa brennt« stattgefunden, die nun im Cantatesaal wieder aufgenommen wird.
Reichlich »Menschliches« spielt sich da an drei Tagen der Frankfurter Barrikadenkämpfe vom September 1848 ab. Seinen Spaß kann man damit auch ohne Vorwissen haben, schaden tut‘s aber nicht, wenn man in der Geschichte ein wenig firm ist. Die historische Situation: am 18. Mai 1848 hatte in der Paulskirche die Nationalversammlung, das erste deutsche Parlament erstmals getagt. Rasch bildeten sich politische Fraktionen heraus, auch im Volk standen sich fortschrittliche und reaktionäre Kräfte gegenüber. Das mächtige Preußen schloss den »Schandfrieden« mit Dänemark – die Radikalen bliesen zum Sturm auf die Paulskirche und bauten Barrikaden.
Zentral sind die fortlaufenden Szenen, in denen Gabriel Spagna als der sich ob der Anschuldigung wegen revolutionärer Umtriebe windende Ginnheimer Schneidergeselle Simon Niebergall von Michael Quast (der selber inszeniert hat) in der Rolle des inquisitorischen Heinrich Situlus vom Peinlichen Verhör-Amt hart rangenommen wird – wobei der Schneider Situlus‘ Namen running-gag-artig verdreht und der Autoritätsbolzen selbst sich nach Kräften lächerlich macht. Sämtliche Figuren sind angelehnt an historische Vorbilder.
Es wird reichlich gesoffen und herrlich schepp palavert und gebabbelt in den Kneipen von Bockenheim und Ginnheim, Brutstätten des Aufstands. Und auf der Zuschauerempore des Paulskirchenparlaments schmachtet Ulrike Kinbach als die in den Verhören mit Niebergall mysteriös bleibende, hier aber sich manifestierende »Dame mit dem Regenschirm« Henriette Zobel als Waffe im Dienste der Sache der Radikalen. Ein ums Zuhören bemühter Emporennachbar hat keine Chance gegen das fortwährende Gequassel der Schirmfrau und ihrer Kontrahentin – Randi Rettel als die Ginnheimer Lehrerstochter Annette.
Hochvergnüglich all das, durchsetzt mit Moritaten und revolutionären Lieder wie »Trotz alledem« – und nicht zuletzt den wie immer originell zum Gag gemünzten Texthängern Quasts. Nicht preisgegeben werden soll hier natürlich die unvermutete Wendung am Schluss. Nur so viel: Es passt der gute alte Neue-Frankfurter-Schule-Spruch von den Kritikern der Elche, die früher selber welche waren.

Stefan Michalzik / Foto: © Andreas Malkmus
Termine: 23. und 29. September, 19.30 Uhr
www.volksbuehne.net

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