Theater am Main – Das Tangentefestival von und mit Comoedia Mundi

Erneut hat die Comoedia Mundi ihr Zelt am Frankfurter Mainufer aufgeschlagen. Seit fast 40 Jahren gastieren Fabian Schwarz und sein Team, in der Regel im Sommer, mit ihrem Tangentefestival unterhalb der Untermainbrücke. Im Zentrum des Programms steht diesmal die Performance »Atlas«, ein Stück, auf dessen Vielfalt schon der Titel hindeutet. Dieser lasse sich ganz unterschiedlich deuten, sagt Schwarz. Da wäre die Definition als Landkarte, als der Titan aus der griechischen Sagenwelt, der das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern trägt. Aber der Name steht auch für einen feinen Stoff und damit die Verwebungen der einzelnen Fäden, die sich zu einem großen Ganzen verbinden. »Wie kommen wir zusammen?«, könnte die Frage über dem Abend lauten, zu dem seine Tochter Camille die Idee hatte und den seine Frau Loes Snijders inszeniert, wie Schwarz sagt. Drei Figuren begegnen einander in einem fiktiven und sehr begrenzten Abflugraum: die Iranerin Asma Asadizadeh, die Koreanerin Hyunsoo Auo und die Deutsche Charlotte Höflich stellen sie dar. Erst prallen die verschiedenen Kulturen aufeinander, beansprucht jede für sich einen Platz, der die anderen allerdings in ihrer eigenen Freiheit einschränkt. Über die Kunst nähert sich das Trio einander an. Tanz, Musik und Mode vermischen sich. Es entstehen Beziehungen und eine Gemeinschaft. »Leichte Unterhaltung mit Tiefgang«, verspricht Schwarz für die insgesamt acht Vorstellungen. Nur eine Stunde lang, dann können sich die Zuschauer an den Tischen vor dem nostalgischen Café-Wagen, die auch abseits der Vorstellungen für chilliges Miteinander zur Verfügung stehen, über das Erfahrene austauschen.
Neben dieser Premiere bietet der Theatermacher, der seinen festen Wohnsitz auf dem Areal eines Schlosses im fränkischen Trautskirchen hat, viel Bekanntes. Zum ersten Mal wieder nach längerer Zeit lädt die Niederländerin Snijders am 7. und 8. Juli als Sängerin, begleitet von Christian Jung am Klavier, zu »Ein Weillchen verweilen« ein, einer Hommage an Kurt Weill. In Liedern und Texten, die die auch als Synchronstimme der US-Schauspielerin Meg Ryan bekannte Sprecherin Ulrike Möckel vorträgt, wird das Leben des Komponisten nacherzählt, der nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit dem Dramatiker Bertolt Brecht berühmt geworden ist. Der Mentalmagier Samuel Lenz will das Publikum am 26. Juli verblüffen. »Zwischen Himmel und Erde« bewegt sich vom 29. bis 31. Juli ein Best-of der vergangenen 30 Jahre der Comoedia Mundi, und für Kinder und Familien eignen sich besonders das musikalische Märchen »Janko«, das am 5. Juli von einer lebendig werdenden Holzpuppe erzählt, und das clowneske Spiel »Frau Sonntags Woche« am 12. Juli. »Au Revoir Francfort« heißt es dann wieder am 2. August, wenn sich die Comoedia Mundi mit einem Gratis-Konzert verabschiedet. Snijders trifft dabei in Jürgen Mayer und Alfons Wild auf zwei langjährige Weggefährten.
Wegen der Konkurrenz durch die noch bis Mitte Juli laufende Fußball-Weltmeisterschaft hat Schwarz die Zahl der Aufführungen in diesem Jahr leicht reduziert. Dafür gibt es neben einem Gesangs- auch erstmals einen Schauspielworkshop mit Snijders. Fürs nächste Jahr haben die Theatermacher Großes vor: Sie wollen Simone de Beauvoirs Roman »Alle Menschen sind sterblich« auf ihre kleine Bühne bringen. Ein Geschenk zum eigenen, dann 40. Jahrestag des ersten Gastspiels am Ufer der Großstadt.

Katja Sturm / Foto: © Comoedia Mundi/Fabian Schwarz
www.comoedia-mundi.de

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