Das DAM zeigt in seiner Ausstellung »Too hot« dreizehn exemplarische Städte – in Europa und in verschiedenen klimatischen Zonen gelegen – und deren konzeptionellen Ansätze, wie mit der zunehmenden Hitze umgegangen werden könnte.
Die Besucher sehen Konzepte der Abkühlung – als Ideen oder schon umgesetzt als gebaute Projekte, als strategische Planungen oder auch als zivilgesellschaftliche Initiativen. Die Ausstellung veranschaulicht, wie vielfältig ein städtebaulicher Wandel aussehen kann und von welchen sozialen Fragen und gesellschaftspolitischen Diskursen er begleitet wird.
So nutzt beispielsweise die Stadt Kopenhagen Parks und Plätze gezielt als Rückhalteräume für Starkregen. Wien erprobt die gemeinsame Energie- und Kühlversorgung eines Wohnblocks. In Paris senken begrünte Dächer unter historischen Zinkdächern die Sommertemperaturen deutlich. Barcelona kühlt sein dicht bebautes Stadtgefüge mit einem Netz begrünter Straßen und neuer Plätze. Mehrere Städte setzen auf langfristige strukturelle Veränderungen, etwa wie Łódź, das Flüsse wieder freilegt und sie als grüne Korridore in die Stadt integriert.
Die Stadt Frankfurt am Main ist auch Teil der Ausstellung: Bürger:innen setzen sich für den Erhalt von Grünflächen und Kaltluftschneisen ein – was Zielkonflikte der Stadtentwicklung sichtbar macht! Laut der Ausstellung ist Frankfurt eine der heißesten Städte in Deutschland; dieser Tage in Juli und August ist das plausibel nachvollziehbar, und wer den Sommer hier verbracht hat, konnte am eigenen Leib erfahren, wie die Hitze in der Stadt kaum zu ertragen war und in der Nacht jede Abkühlung fehlte. Dass Grünflächen, Parks mit Bäumen und Gewässern da die angenehmeren Flecken in der Stadt sind, ist logisch. GrünGürtel als Freiraumring und Main leisten einen wichtigen Beitrag zur Abkühlung des Stadtklimas. Mit rund 52 Prozent Grünanteil verfügt unsere Stadt im Vergleich zu vielen anderen über umfangreiches Grün, darunter Parks, Waldgebiete, Streuobstwiesen, Wasserflächen und eben den berühmten GrünGürtel. Da ist der Erhalt der bestehenden Pflanzenzonen die wichtigste Maßnahme neben der Schaffung von neuen Grünflächen und Entsiegelung.
Wer die Parks in Frankfurt jedoch besucht muss sich sehr wundern, wieso einerseits diese Erweiterung der natürlichen Kühlzonen gefordert sind, auf der anderen Seite bestehende Parks, Baumreihen, Sträucher, Beete kategorisch von der Stadt NICHT gegossen werden, sehenden Auges und vorsätzlich verdorren. Schlimmer noch, Gewässer, exemplarisch sei der seit Wochen ausgelassene Weiher der Ludwig-Erhard-Anlage erwähnt, gerade in der heißeste Zeit des Jahres trocken liegen – weil die Politik nicht in die Gänge kommt, obwohl Reparaturmaßnahmen längst hätten losgehen können. Wenn dann auf Wasserknappheit verwiesen wird, sei hier entgegnet, daß die Millionen Liter Wasser, die mittlerweile in die Kühlung von Rechenzentren gepumpt werden, ja, auch in Frankfurt, intelligenter weise und besser in Pflanzenbewässerung gegossen wäre, als in die künstlich »Intelligenz« …!
Der GrünGürtel Frankfurts, so erklärt die spannende Ausstellung, umfasst übrigens über 8.000 Hektar und macht etwa ein Drittel der gesamten Stadtfläche aus. Seine Kühlfunktionen sind vielfältig: Offene Ackerflächen erzeugen nächtliche Kaltluft, der Stadtwald trägt zur Frischluftversorgung bei, die Grünräume dienen der Naherholung sowie als Lebensraum für Flora und Fauna. Die GrünGürtel-Verfassung von 1991 besagt, dass rings um die Kernstadt freie Flächen als GrünGürtel Frankfurt langfristig zu sichern und weiterzuentwickeln sind. Ja, bitte, unbedingt!
Künstlerische und wissenschaftliche Arbeiten erweitern die Ausstellung, die dekorativ wehenden Windhosen auf dem Dach des Museums sollen Luftströmungen sichtbar machen; ein Regenfänger soll zeigen, wie mit einfachen Mitteln wertvolles Wasser gesammelt werden kann und mobile Messstationen geben Einblick in Forschungsprojekte zum Wetter und zur Temperatur in der Stadt.
Too hot! Ausstellung über die Hitze der Stadt im Architekturmuseum