34. exground filmfest – 12. bis 21. November in Wiesbaden

Nach der Online-Ausgabe im letzten Jahr präsentiert das Festival sein Programm wieder dort, wo es hingehört: im Kino. Genauer gesagt, in der Caligari FilmBühne und im Murnau-Filmtheater sowie zusätzlich auch in der Krypta der Marktkirche, die vor einem Jahr zum ersten Mal vorgesehen war und ebenfalls den Corona-Verordnungen zum Opfer fiel. Die Pupille in Frankfurt und das programmkino rex in Darmstadt werden einige Beiträge nachspielen.
Ein Online-Angebot wird es auch noch geben: Der große Teil des Filmprogramms wird On-Demand zur Verfügung stehen, während Filmgespräche und Panels, Eröffnung und Preisverleihung auf dem exground YouTube-Kanal abrufbar sein werden.
Eröffnungsfilm ist die Komödie »Queen of Glory« von dem Allround-Talent Nana Mensah. Die Afroamerikanerin verfasste das Drehbuch, konnte aber kaum auf dem Regiestuhl Platz nehmen, weil sie auch gleich noch die Hauptrolle übernommen hatte, wie einige ihrer großen Vorgänger. Mit der Geschichte von der begabten Doktorandin, der in die Entscheidung für ihrem Geliebten in Ohio der unerwartete Tod ihrer ghanaisch-stämmigen Mutter in die Quere kommt, gewann Mensah bereits den Best Director Award auf dem Tribeca Film Festival.
Der Film stimmt auch auf den Länderschwerpunkt ein, der in diesem Jahr den USA gewidmet ist, was deshalb keine große Neuigkeit ist, weil das Filmfest ohnehin die Sektion »American Independents« seit Jahren im Programm führt. Und das ist auch nicht verwunderlich, sind doch die Amerikaner nicht nur im Mainstream, sondern auch bei den unabhängigen Produktionen absolute Weltmarktführer. So hat eben jedes Filmfestival, das etwas auf sich hält, amerikanische Indies im Angebot.
Immerhin wartet der Schwerpunkt mit 13 Langfilmen, unter ihnen 9 Debüts, und fünf Beiträgen im Programm »Shorts from the States – Kurzfilme aus den USA« auf. In dem langen Dokumentarfilm »Malni – Towards the Ocean, Towards the Shore« widmet sich Sky Hopinka dem Zusammenwirken von Leben und Tod, Natur und Zivilisation speziell in den USA und speziell aus der Sicht des indigenen Stammes der Chinook. Die Tragikomödie »Zola« von Janicza Bravo handelt nicht von dem französischen Autor, sondern von einer Stripperin und ihren zumeist sexuellen Abenteuern auf einem rasanten Roadtrip nach Florida.
Aber auch von unserer Seite des Atlantiks werden interessante Werke aus dem diesjährigen Programm von Cannes vorgestellt. Das Musical »Annette« von Leos Carax (»Holy Motors«), eine Romanze zwischen einem Stand-Up-Comedian und einer Opernsängerin, war der Eröffnungsfilm. In die 1950er Jahre, als Schwule hierzulande noch im Gefängnis landen konnten, führt Sebastian Meise mit seinem zweiten Langfilm »Große Freiheit«, der in der Sektion »Un certain regard« den Jurypreis erhielt.
Im Rahmenprogramm liest der Schauspieler Armin Nufer aus Werken der US-Literatur (in Kooperation mit der Buchhandlung Vaternahm).
In der Paneldiskussion »US Cinema? Was ist das? – Auf der Suche nach einer nationalen Kinematografie« beschäftigen sich US-amerikanische Filmschaffende mit dem gegenwärtigen Kino in ihrer Heimat und seinen vielfältigen Strömungen. Amnesty International ist zu Gast für einen Vortrag über die Missstände im Gefängnissystem der USA.
Im Nassauischen Kunstverein lässt sich Videokunst der Multimedia-Kunstschaffenden Orian Barki und Meriem Benanni unter dem Titel »2 LIZARDS« bestaunen, während im Foyer des Murnau-Filmtheaters Filmplakate mit vollbusigen Damen und Bildschallplatten des Kultregisseurs Russ Meyer ausgestellt werden.

cw (Foto: »Annette«, © Kinology)

www.exground.com

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