Was den Salzburgern die Festspiele rund um den Jedermann auf dem Domplatz sind, das ist den Frankfurtern nun schon seit einem Vierteljahrhundert das mit dem schönen Wort Freilicht verbundene Festival der Dramatischen Bühne im Grüneburgark: ein allein dem Theaterspiel gewidmetes sommerliches Schauvergnügen. Gegründet wurde das in der Bockenheimer Exzesshalle beheimatete freie Theater 1988.
Frisch zurück von den gefeierten »Molière«-Spaziergängen in der Region, bleibt das von Thorsten Morawietz geführte Ensemble zum Start im Wandermodus: mit eben diesem Stück, in dem das komische Werk und dramatische Leben des großen Molière ganz amalgam durchleuchtet wird (2., 5. Juli), und mit dem hauseigenen Klassiker aller mobilen Stationenspiele:»Alice im Wunderland« (3., 4., 13., 14. Juli). Erstmals sesshaft vor der mehr zu ahnenden als zu sehenden Skyline Frankfurts wird das Ensemble ausgerechnet mit Douglas Adams‘ Kultroman »Per Anhalter durch die Galaxis« (6.–8. Juli) – dargeboten als »irrsinnige Reise durch die verschiedensten Dimensionen der Absurdität«.
Als Dramolett gestaltet die Dramatische Bühne Robert Louis Stevensons düstere Geschichte »Dr. Jekyll und Mister Hyde« (16., 17.Juli). Werk und Biografie verbinden sich auch in Wolfgang Goethes »Die Leiden des jungen Werther« (20., 21., 23. Juli), einem erklärten Lieblingsstück des Chronisten. Und bevor es dann endlich und erstmals zu klassischem Theater kommt, sorgt »Moulin Rouge« (22., 24., 27., 28. Juli) für eine rauschende Ballnacht zwischen Operette, Musical und Revue. Dann aber schlägt Meister William Shakespeare zu. Erst mit seinem Liebesfest »Ein Sommernachtstraum« (26., 31. Juli, aktuell auch in Bad Vilbel (siehe S. 12) und dann mit »König Lear« (29., 30. Juli), der schwärzesten seiner Tragödien.
Alle Aufführungen finden gleich nach der Tagesschau um 20.15 Uhr statt, unabhängig von möglichen Brennpunkten und gewöhnlichen Sportereignissen. Bei den »wichtigen« im Rahmen der Fußball-WM macht die Dramatische Bühne spielfrei. Dafür geht es im August ohne jede Unterbrechung weiter, womit sich die Zahl der Aufführungen auf insgesamt 54, und die Zahl der Stücke auf 23 erhöht.
Ein gewaltiges Unterfangen für ein Ensemble, aus dem, neben dem auch als Regisseur und Texter zeichnenden Maestro Morawietz selbst, auch die wunderbaren Simone Geiß und Julian König fast immer präsent sind. In Rollen, die sie teils seit bis zu 30 Jahren verkörpern! Hinzu kommen die vielfach auch von anderen Frankfurter Bühnen bekannten Mitglieder wie Armin Drogat, Stefan Huther, Julian König, Sarah Kortmann, Christoph Maasch, Detlef Nyga, Birte Sieling, Jeannette Treusch oder Marlene Zimmer.
Noch nicht so bekannt ist, dass Thorsten Morawietz als Autor auch die Genres Krimi und Science-Fiction bedient. Eine Wissenslücke, die an der Kasse geschlossen werden kann. Sein jüngster Roman, »Tote Hologramme lügen nicht«, spielt im 25. Jahrhundert und lässt den Privatdetektiv Joy Omega in der Galaxis auf wahnsinnige Roboter, Holo-Nutten und zwielichtige Memory-Dealer treffen – wie im richtigen Theater.
Winnie Geipert / Foto: © Dramatische Bühne
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