Analog-digital durchs Mittelalter – »Damals 1410« im Historischen Museum

Das Junge Museum im Historischen Museum Frankfurt zeigt seine neue Ausstellung »Damals 1410. Ausstellung zu Medienkompetenz«. Die interaktive Schau ist ein digital-analoges Game für Kinder ab 8 Jahren. Das Spiel im Raum hat 25 Stationen, an denen spielerisch vermittelt werden soll, was mit dem Begriff »Medienkompetenz« umrissen ist: Die Kinder sollen im Umgang mit neuartigen Medien und Geräten zu einer Haltung kritischen Hinterfragens angeregt werden.
Der Parcours startet mit einer vermeintlichen Zeitreise ins Mittelalter. An jeder Spielstation der mittelalterlichen Stadt loggen sich die Spieler:innen ein, natürlich können auch Eltern und Begleitpersonen mitspielen. Und mitlernen! Und spielen eine Aufgabe mittels des Spielcharakters einer mittelalterlichen Stadtratte. Dabei sind es keine Bildschirmspiele, sondern sehr analoge, vom mittelalterlichen Alltag inspirierte Aufgaben, wie Feuer löschen, eine Medizin herstellen oder eine Fibel schmieden.
Die Intention des Parcours ist es, ein Bewusstsein bei den Kindern zu wecken, dahingehend, dass die Interaktion mit Online-Medien nicht einseitig ist: Man bekommt nicht nur etwas (Information, Unterhaltung, Kontakte etc.) sondern man gibt auch etwas. Und das, ohne es zu merken: Zeit, Aufmerksamkeit. Und Daten. Und dieses Tauschgeschäft ist nicht ganz fair, denn die Bezahlung per Daten ist nicht transparent, die Folge der Verwertung der unwissentlich abgegebenen persönlichen, teilweise sensiblen Daten ist nicht absehbar. Was im Hintergrund sukzessive und über die Jahre von jedem User, egal ob Kind oder Erwachsener, gesammelt und verknüpft wird, ist ein:e digitaler Doppelgänger:in. Und der Algorithmus kann ausrechnen, was das echte Kind als nächstes tuen will, kaufen will und denkt. Und nimmt es vorweg: »Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, haben auch …!« Wir alle kennen diesen Satz, auch die Kids. Wissen sie, das Big Data dahinter steckt?
Für jede gespielte Station gibt es ein Belohnungsabzeichen – so sollen die Kids motiviert werden, sich durch die neun Medienkompetenz-Felder wie Influencing oder Datenschutz durchzuspielen.
Aber nicht nur Datenverlust soll den Kids bewusst werden als Teil der schönen neuen Online-Welt, auch die Gefahr der Täuschung, Stichwort Fake News: Nicht jede Information ist wahr. Welche ist es? Wie kann sie überprüft werden, auf Plausibilität hin abgeklopft und richtig eingeordnet werden?
Wenn der Besuch von »Damals 1410« der erste Anstoß ist, bei der Mediennutzung diese Fragen im Hinterkopf zu haben, hat sich der Weg ins Junge Museum bereits gelohnt und die sehr lehrreiche Ausstellung funktioniert auch zur Erweiterung der Medienkompetenz von Erwachsenen!
Betont sei, dass die Ausstellung für Schulklassen ideal ist, denn das gemeinsame Spielerlebnis regt das Gespräch miteinander an: Thema Handysucht, Handyverbot, Social-Media-Beschränkung sind brandaktuell und ein wichtiger Diskurs, der in der Schule insbesondere geführt werden sollte.
Die Ausstellung ist zweisprachig in Deutsch und Englisch spielbar und jede Station hat eine Sprachausgabe. Sämtliche Stationen sind rollstuhlgerecht. Schulklassen können für ihren Besuch Zeitfenster reservieren.

Laura J Gerlach
Foto: Heilmittel herstellen, © Junges Museum Frankfurt, Jens Gerber
Bis 27. Februar 2027: Di.–So., 11–18 Uhr
www.junges-museum-frankfurt.de/damals1410

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