Das Struwwelpeter Museum präsentiert das »Museum of Modern Rat«

Offenbacher kennen sie aus der Offenbach-Post als Meinungsbildnerin eines wöchentlich Cartoons, Dietzenbacher als nicht zu übersehende Skulptur auf dem Steinhaufen des Steinberg-Kreisels: Die Ratte Ludwig ist gelebter Alltag in diesen beiden Städten. Die Illustratorin Uschi Heusel hat das Tier vor etwa 30 Jahren mit dem Zeichenstift kreiert und sich von ihm zu immer wieder neuen Taten anstiften lassen. Es gibt die Ratte Ludwig längst auch in Öl, im Druck, als Vorbild für Porträts historischer Persönlichkeiten oder für Objekte der Kunstgeschichte und als Stammesvater einer veritablen Rattenfamilie mit Mama Gerda, Sohn Karlheinz und Tochter Emma in Bild und Buch. Unverzichtbar und wichtig sind die meist lakonischen, oft erst mit Anlauf zu verstehenden Texte, die Heusel zu ihren Werken verfasst.
In Frankfurt steht die Ratte jetzt im Zentrum einer Art Indoor-Schau des Struwwelpeter Museums unter dem Titel »Museum of Modern Rat«. Eine Ausstellung, die in einer kleinen Version übrigens auch schon in der Schmiere zu sehen, beziehungsweise nicht zu sehen war. Auch die Präsentation jetzt wurde aus coronalen Gründen mehrfach verschoben. Natürlich gehört auch Heusers bereits vor zehn Jahren entstandene Variante des Struwwelpeter den Exponaten, die sie mit einem gleichwohl akzeptablen Doppel-B benennt: Der mit Finger-Nägeln aus dem Baumarkt bestückte Strubbel-Kudwig. Typisch Heusel.
Etwas anders als man sie kennt sind auch die Abenteuer, von denen das Buch erzählt, ohne aber den geistigen Vater Heinrich Hoffmann zu verraten. Eigens für ihre Ausstellung schuf die Künstlerin zudem neue Gemälde, wie etwa die rokoko-gestylte Rattendame Frau Melber, deren historisches Vorbild nicht nur die Tante von Goethe war, sondern auch noch im Original dieses Hauses am Lämmchen 4 in der Altstadt wohnte.
Heusels Humor, der im französischen Saint-Just-le-Martel mit dem »Prix de l’humour tendre« als zart gewürdigt wurde und auch schon im chinesischen Kunming Beachtung fand, tritt auf ganz eigene Weise in einer wunderbar bestückten Vitrine zutage. Hier kann man einen recht rostigen, also historischen Schaber, wenngleich ohne Zeitangabe bestaunen, mit dem in mutmaßlich vormittelalterlichen Zeiten Nack abgebaut worden sein soll. Als Humorfundort ist die unterste Schublade ausgewiesen. In unmittelbarer Nachbarschaft liegt eine Groß-Mutter, die mit ihrem feinen Schraubengewinde selbstredend unter Mutterschutz steht. Ratten als Buchhalter säumen das Konvolut in allen möglichen Posen. Auch eine Kopie des großen Rattenschwanzes vom Dietzenbacher Denkmal ist zu bestaunen.

Bis 6. November: Mi.–So., 11–18 Uhr
www.struwwelpeter-museum.de

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