Filmtipp! »Das Land meines Vaters« von Edouard Bergeon

Im Jahr 1979 ist Pierre Jarjeau (Guillaume Canet) auf den Bauernhof seines Vaters (Rufus) zurückgekehrt, um ihn mit seiner alten Freundin Claire (Veerle Bertens) zu übernehmen. Mit einem Pachtvertrag verabschiedet sich der Vater in den finanziell gesicherten Ruhestand. Das unternehmerische Risiko überlässt er seinem Sohn, von dem er allerdings kein besonders positives Bild hat. Pierre hatte es schließlich vorgezogen, auf einer amerikanischen Farm zu arbeiten, statt sich auf die Nachfolge im Familienbetrieb vorzubereiten.

Siebzehn Jahre später sind Pierre und Claire ein Ehepaar mit zwei Kindern, die kräftig mithelfen. Pierre bemüht sich, den Bauernhof erfolgreich zu führen. Doch die finanziellen Probleme werden größer, der Ertrag der Arbeit immer kleiner. Da der Konsum von Ziegenfleisch in Frankreich zurückgeht und er seine Zicklein schon nach Italien exportieren muss, baut er eine Hühnerzucht im großen Stil auf. Dafür bekommt er einen großzügigen Kredit von der Bank, die sich zuvor geweigert hat, ihm mit wesentlich kleineren Beträgen über die Notlage hinwegzuhelfen.
Aber von dem Agrarunternehmen bekommt er nicht nur den großen, neuen Hühnerstall, sondern auch das Futter für die Hühner. Auf diese Art wachsen die Schulden und mit den Schulden wächst der Arbeitsaufwand. Die Aufgabe, als Bauer in Frankreich ein Auskommen zu haben, wird von Tag zu Tag schwieriger.
Claire macht nicht nur die Buchhaltung für den Hof. Um die Familie über die Runden zu bringen, arbeitet sie auch noch in einem Büro im nächsten Ort. Die finanzielle Lage wird immer bedrohlicher, und als die Stallungen niederbrennen, wird Pierre sogar der Brandstiftung verdächtigt.
Während Claire und Pierre mit ihren Kräften am Ende sind und ihre Ehe zu scheitern droht, ist für Pierres Vater klar: die beste Medizin ist arbeiten. Wenn nötig, eben mehr arbeiten. So habe er schließlich auch 1952 die Maul- und Klauenseuche überstanden.
Doch der Vater, der noch Kriegs- und Nachkriegszeiten erlebt hat, ist aus einem anderen Holz geschnitzt als sein Sohn. Der kann dem Druck, der auf ihm lastet, nicht standhalten. Er bekommt schwere Depressionen, und Claire muss schauen, wie sie mit Hof und Familie klarkommt.
Regisseur Edouard Bergeon hat mit diesem, seinem ersten Spielfilm im Kern die Geschichte seines Vaters verfilmt, also eine wahre Geschichte. Zuvor hatte er diese in einen Dokumentarfilm über die hochproblematischen Situation der französischen Landwirtschaft dargestellt. In Deutschland bekommen wir immer nur kleine Buchteile davon in den Nachrichten mit. Auch im Roman »Serotonin« von Michel Houellebecq ist den schlimmen Zuständen ein beeindruckendes Kapitel gewidmet.
Zudem ist die Zwangslage der Landwirte zwischen Agrarfirmen, die ihre Produkte verkaufen wollen, und den Banken als deren willige Helfer beim Kreditgewähren klar zu erkennen. Neulich war in »Percy«, einem Drama mit Christopher Walken, der reale Fall Monsanto und ein Rechtekampf um das firmeneigene Saatgut mit einem Farmer in Kanada das Thema.
Es steckt eine Menge Erfahrung in »Das Land meines Vaters«. Jedes Detail sollte stimmen, und dennoch ist kein Lehrfilm, sondern eine packende Lebensbeschreibung entstanden. Und ganz besonders überzeugen die famosen Schauspieler, die dieser Geschichte eines Scheiterns eindrucksvoll Leben verleihen.

Claus Wecker (Foto: © Nord Ouest Films)

 

DAS LAND MEINES VATERS
(Au nom de la terre)
von Edouard Bergeon, F/B 2019, 103 Min.
mit Guillaume Canet, Veerle Baetens, Rufus, Anthony Bajon
Drama
Start: 18.11.2021

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