Fritz Rémond Theater zeigt Ferdinand von Schirachs »Gott«

Es ist das Problemstück der Saison am Fritz Rémond Theater. Intendant Claus Helmer lässt es sich nicht nehmen, jedes Jahr ein wirklich ernstes Stück auf die Bühne am Zoo zu bringen, auch wenn er die großen Zahlen unter anderen Vorzeichen erzielt. Bei Ferdinand von Schirachs »Gott« könnte sich der corona-bedingte Nachteil, erst nach der großen TV-Inszenierung zum Zuge gekommen zu sein, auch als Vorteil erweisen. Viele wissen Bescheid, was sie erwartet: nicht wirklich Theater, aber eine fesselnde und zeitgemäße Auseinandersetzung um die Frage: Wem gehört mein Leben? Auch wenn »Gott« nicht wie von Schirachs erste Theaterarbeit »Terror« vor Gericht, sondern in einem Ethikrat verhandelt wird, so spitzt sich auch diese, nach Anhörung von Fachkompetenzen aller Seiten, auf die Einbindung des Publikums durch individuelle Urteile zu. Das ist nicht einfach, bei einer bisweilen akademischen Diskussion, die ein sehr hohes Maß an Aufmerksamkeit erfordert. Es spricht für die große Besetzung des Stücks und die Inszenierung von Heinz Kreidl, dass das Publikum im Fritz Rémond Theater sich nicht nur angesprochen, sondern erreicht fühlt. Eine phantastisch aufgelegte Verena Wengler als schlagfertige Anwältin eines Sterbewilligen und Christopher Kriegs fast verzweifelter Kampf auf dem verloren scheinenden Posten des katholischen Pastors verdienen Sonderapplaus – und erhalten ihn auch.

gt (Foto: © Helmut Seuffert)

Termine: bis 28. November, Di.–Sa. 20 Uhr; So., 18 Uhr
www.fritzremond.de

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