Im Fritz Rémond Theater gibt es »Das Spiel von Liebe und Zufall«

Man könnte fürchten, dass das Werk schon zu viel Staub angesetzt hat. Pierre Carlet de Marivaux hat »Das Spiel von Liebe und Zufall (Le jeu de l’amour et du hasard)« schließlich vor fast 300 Jahren geschrieben. Zwei Väter vereinbaren darin, ihre Kinder miteinander zu verheiraten. Immerhin zeigen sie sich für die damaligen Verhältnisse recht fortschrittlich: Die Ehe soll nur geschlossen werden, wenn die beiden Zuneigung zueinander verspüren.
Um den Charakter und die möglichen Gefühle des jeweils anderen einer strengen Prüfung zu unterziehen, tauschen die beiden Hochzeitskandidaten die Rollen mit ihren Dienstboten. Ohne zu wissen, dass sie beide den gleichen Plan haben. Das sorgt natürlich für Verwirrung und Verwechslung.
Regisseur Heinz Kreidl hat das Luststück für das Frankfurter Fritz Rémond Theater inszeniert und es dafür sprachlich aufpoliert. Auch ein paar Mätzchen hat der gebürtige Tiroler in den zwei Stunden langen Verlauf eingebaut, Einsichten auf Unterwäsche etwa, die, obgleich nicht wirklich von der Handlung motiviert, zumindest für das Premierenpublikum hörbar Unterhaltungswert besitzen.
Doch auch ohne sich in derartigen Kleinigkeiten der heutigen Mode anzupassen, käme der Abend frisch und gewitzt daher. Das liegt nicht nur an der sichtbaren Spielfreude des aus sechs Darstellern bestehenden Ensembles, sondern auch am fein erdachten Gang der Dinge und den überzeugenden Wendungen. Carolin Freund gibt eine selbstbewusste und scheinbar emanzipierte Silvia, die nach schlechten Erfahrungen in der Bekanntschaft Männern nicht traut und doch eitel genug ist, sich verführen zu lassen, wenn einer dafür nur den Standesdünkel aufzugeben bereit ist. Thomas Jansen ist genau dieser Schönling Dorante, der für eine Frau zu kämpfen weiß. »Zofe« Katarina Schmidt und »Diener« Thomas Zimmer wissen als peinliches Buffo-Paar, über das am Ende jeder schallend lacht, Stil und Disziplin der höheren Klasse auch dann beiseite zu lassen, wenn sie sich, vor Selbstüberschätzung strotzend, als Herrschaft ausgeben. Marko Pustisek als sich durchweg köstlich amüsierender Vater Orgon und Pascal Simon Grote als in das Geheimnis eingeweihter Bruder Silvias, ziehen immer wieder geschickt an Fäden, um für weitere Verstrickungen zu sorgen.
Das Bühnenbild von Tom Grasshof enthält verspielte Elemente wie eine Schaukel, auf der die Mädchen träumen, und einen kleinen Balkon, der sofort an das berühmteste Liebespaar der Welt denken und auf dem sich Silvia allzu gerne von ihrem Favoriten anhimmeln lässt. Die Schräge einer unsichtbaren Treppe trennt als klare Linie noch immer die Gesellschaftsschichten, auch wenn die Ordnung bereits ins Rutschen kommt. Dass die Romantik zu verblassen beginnt, unterstreicht der Stapel an Stühlen im geschwungenen Design am vorderen Rand der Spielfläche.
Die Harmlosigkeit der Geschichte erleichtert das Vergnügen. Kreidl tut gut daran, nicht entscheidend in die Vorlage einzugreifen. So entfaltet sich, bis zum etwas allzu plakativen Schlussbild, ein wohltuender, schwungvoller Abend, an dem Theater, ohne altbacken zu wirken, einfach mal gefällig sein darf.

Katja Sturm (Foto: © Helmut Seuffert)

Bis 27. Februar: Di. bis Sa., 20 Uhr; So., 18 Uhr
www.fritzremond.de

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