Die Frage kann man sich durchaus stellen, wenn man den Erfahrungsschatz der seriellen Architektur als Referenzpunkt nimmt. Vor hundert Jahren erlebte das allseits gefeierte Bauhaus seine Taufe – nicht ohne auf die ihm zugrunde liegenden Wurzeln anderer architektonischer Richtungen hinzuweisen, und schuf einen immensen Fundus für seine Weiterentwicklung bis zum allseits geschmähten Plattenbau, der aus städtebaulicher und gesellschaftspolitischer Sicht aber zu schmähen keineswegs ist. Spricht aus Spott und Ablehnung dieser Form der Architektur nicht eher der retrospektive Wunsch nach Verzierung, Prunk und Plunder, der sich dann in der Postmoderne ihren Weg bahnte? Alles zu seiner Zeit, und die Zeit für Verspieltheit und großartig herausgeputzter Individualität ist heute vielleicht nicht (nur). Sozialen Wohnungsbau mit seinen wiederkehrenden Strukturen und Mustern könnte man lässig aber auch als Soap Opera der Architektur bezeichnen, vertraute Gesichter, wiederkehrende Motive, formuliert Axel Sowa gleich zu Beginn.
Mit dem »Modus der Serie« beschäftigt sich jetzt eine von ihm kuratierte Ausstellung, die von Florian Eschner und einem Team der RWTH Aachen University, von Matthias Wagner K und der HfG Offenbach und Norbert Hanenberg von der TH Gießen unterstützt und begleitet werden. Sie möchte auf die ideelle Entstehungsgeschichte hinweisen und auch auf ihre Variabilität. Aber kann sie für sich nicht auch beanspruchen, eine Vorstellung davon zu formulieren, wie wir leben wollen und mittlerweile angesichts der immensen Wohnungskrise vielleicht auch müssen? Das Konzept der Fertigbauweise wurde ja praktisch nach den beiden Weltkriegen massenweise und massiv umgesetzt. Nun stellten die in Schutt und Asche liegenden und verheerten Städte weitaus anspruchsvollere Herausforderungen an Architektur, Innenarchitektur und Design, als die heutige Wohnungsnot und der Bedarf nach schneller Fertigung. In diesem Sinn ist die serielle Produktion aber tatsächlich so etwas wie Avantgarde, und sie bietet als einzige praktikable Lösungen an, die die gesellschaftspolitische Forderung nach schneller Fertigstellung beantworten kann.
Im Ausstellungsraum sind Beispielinseln aufgebaut, die verschiedene Varianten präsentieren, zusammen mit Herstellungsdaten, Plänen und auch kritischer Reflexion. Zu den Beispielen zählen die Frankfurter Küche von Margarete Schütte-Lihotzky, Lot Petit aus dem Jahr 2019 des Architekturbüros Kühn Malvezzi mit Baumaterial aus den Kalksteinbrüchen nördlich von Paris, die Maison familiale, die festhält, dass serielle Fertigung keinen Widerspruch zu individuellem Wohnen darstellt, und sogar ein Fertighaus aus dem Quelle Katalog, Konzept »Glückliches Wohnen«. Zeitgemäßen Modulbau zeigt der Holzmodul Campus von 2026 in Rostock-Lichtenhagen. Ein sehr informativer Streifzug durch Geschichte und Konzepte des seriellen Bauens.
Begleitet wird die Ausstellung von Workshops, so genannten Serienparlamenten am 2. und 30. September und Führungen.
»Im Modus der Serie« – eine Ausstellung im MAK