Theaterfestival MADE: 21. Mai bis 20. Juni 2026 in Frankfurt, Darmstadt, Offenbach und Wiesbaden

Seit 2009 findet alle zwei Jahre das hessische Theaterfestival der Freien Künste statt. Unter der Flagge »Made in Hessen« zog der Gastspielreigen anfangs mit Arbeiten der Freien Szene über die Dörfer des Bundeslandes. Geblieben von der Mission sind im Titel das englisch auszusprechende »MADE« sowie das Hessische als Herkunftssiegel, gespielt wird allerdings nur noch in Städten. Nach zuletzt Darmstadt (2022) und Frankfurt (2024) beschert die neunte Ausgabe des Festivals das Rhein-Main-Gebiet mit acht Produktionen. Begleitend dazu gibt es unter dem elastischen Motto »Wer mit Wem« Diskussionen, Workshops, das Kommunikationsangebot »Hooked on a Book« von Helgard Haug (Rimini-Protokoll) und gewiss auch Feste.
Den Auftakt zu MADE 26 bestreitet die Regisseurin Ayla Pierrot Arendt mit der auf vier Leinwänden spielenden multimedialen Video-Oper »Death in Peace«. Ausgehend von den Protesten in Georgien, entwickelt die Absolventin der Gießener Theaterhochschule »eine aufrüttelnde Komposition essentieller Fragen zu körperlicher Bedrohung, territorialer Grenzziehung, Kriegsgefahr und Sehnsucht nach Frieden«. Gleich fünf Mal ist das mit Darstellern aus Georgien, Russland und Deutschland realisierte Werk zu sehen, aber nur im Mousonturm. (21. Mai, 19 + 21 Uhr; 22. Mai, 18 + 20 +21.30 Uhr)
Im Gegensatz dazu ist »Ichthyosaurus Brecht« von und mit Ruth Fühner und Oliver Augst an drei der vier Spielorte präsent. Der Titel nimmt Bezug auf die sich Noahs Arche verweigernde Meerechse aus der Erzählung »Vor der Sintflut« in Bertolt Brechts »Baal« und verweist mit einem Essay Fühners auf die bisweilen subversive Bedeutung des Wassers in allen Schaffensphasen des Augsburger Genies. Kongenial begleitet von Augsts Musik ist ein »aus Balladen, Poesie und Dialektik, aus Musik und Politik und einer Spur Erotik gewebter Abend« (FAZ) zu erwarten. Die 2024 als »Sound-Essay« im Frankfurt-Lab uraufgeführte Performance kommt in das Offenbacher Klingspor Museum (12. Juni, 19.30 Uhr), das Wiesbadener Literaturhaus Villa Clementine (17. Juni, 20 Uhr) und das Theaterhaus Frankfurt (20. Juni, 20 Uhr).
Seit 300 Jahren gibt es die unsereins befremdende Tradition des »Zapfenstreich«, mit der sich das queere Frankfurter Kollektiv »Boys* in Sync« in einer choreografischen Übernahme auseinandersetzt, um die auf Männlichkeit, Konformität und Macht gedrillte militärische Performance zu hinterfragen. Der Abend, der das Ritual »lustvoll anders sehen, hören und fühlen lehrt«, wird im Produktionshaus Naxos (22. Mai, 20 Uhr), im Kammerspiel des Darmstädter Staatstheaters (30. Mai, 18.30 Uhr) und in der Wartburg Wiesbaden (19. Juni, 20 Uhr) gegeben.
Die andpartnersincrime-Gründerin Eleonora L. Herder behandelt in einer sehr persönlichen Lecture-Performance »Über das Unbehagen zu wohnen« die weit zurück und über viele internationale Stationen reichende Geschichte ihrer deutsch-jüdischen Familie. Herders einer Opa war hochrangiger Nazi, der andere musste bereits 1934 ins Exil. »In einer intimen Salonatmosphäre mit Flügel, Diaprojektoren und Tee entfaltet sich eine alternative Perspektive auf deutsch-jüdische Identität.« Zu erleben ist das im Offenbacher Theateratelier 14H (28. Mai, 11+20 Uhr; im Theater Moller Haus Darmstadt (30. Mai, 20 Uhr).
Was ist Mensch, was ist Tier? Mit seiner in jedem Sinne durchtriebenen Körperrevue »Füße hoch oder ich schieße« überrascht Nils Löfke. Der Künstler konfrontiert unsere Seh- und Hörgewohnheiten in seinem in Kassel entwickelten Solo, indem er in die Haut respektive das Fell anderer Spezies schlüpft. Das detailverliebte friendly Takeover fremder Identitäten gibt es im Offenbacher Theateratelier 14H (29. Mai, 20 Uhr) und im Theater Moller Haus in Darmstadt (31. Mai, 18 Uhr)
Nicht auf verlorenem Posten, aber zwischen den Stühlen versuchen Rolf Michenfelder und Nisse Kreysing in Clownskostümen die Leute vergessen zu machen, wie Seufzen geht. In »Und wir hatten doch schon Gelassenheit geübt« geht es um nichts weniger, aber auch um nicht mehr als die deutsche Befindlichkeit. Das Stück kommt vom Theater neben dem Turm in Marburg und wird im Produktionshaus Naxos (23. Mai, 20 Uhr) sowie in Darmstadt im Kammerspiel des Staatstheaters. (31. Mai, 19.30 Uhr) gezeigt.
Die Gastspiele »Risktakers« aus Marburg und »Mia san mia« von Tamira Kalmbach finden auch erst im Juni statt. Ersteres ist als »absurd-fiktionalen Reise« ins Paradies konzipiert und findet im Offenbacher Wetterpark am 13./14. Juni jeweils um 20 Uhr. Letzteres ist als » humorvoller wie schmerzhaft präziser Theaterabend zwischen Folklore, Identitätspolitik, kollektiven Selbstverständlichkeiten und kultureller Exklusion« in der Wartburg Wiesbaden zu erleben (18. Juni, 20 Uhr).

Winnie Geipert
www.made-festival.de

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert