Angekommen? Die Geschichte der spanischen »Gastarbeiter« im Instituto Cervantes

Aktueller könnte das Thema nicht sein, das das spanische Kulturinstitut Cervantes in Frankfurt seinen Gästen und Besuchern in gewohnter Vielschichtigkeit multimedial präsentiert: »Gastarbeiter – spanische Migration in Deutschland« heißt es, und es umfasst neben einer Ausstellung auch Filme, Lesungen, Vorträge, ein Theaterstück und ein abschließendes Debattencafé mit verschiedenen Protagonist*innen.
In den 1960- und 70er Jahren sind Zehntausende so genannte Gastarbeiter*innen aus ganz Südeuropa im Zuge von bilateralen Anwerbeabkommen nach Deutschland gekommen. Sie arbeiteten hier, waren bedeutsame Stützen beim wirtschaftlichen Aufschwung der BRD, gründeten Familien, versammelten sich in Vereinen, integrierten sich, blieben in Deutschland oder kehrten in ihre Heimat zurück. Das Instituto Cervantes möchte die Erinnerung an sie bewahren und Brücken in die Gegenwart schlagen – und das ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt vermutlich wichtiger denn je.
In den Räumen des Instituts in der Staufenstraße ist die Ausstellung »Angeworben – angekommen« zu sehen, die in den Städtischen Museen in Hanau konzipiert worden ist und die Lebensverhältnisse derjenigen 160 Andalusier*innen nachvollzieht, die im Jahr 1960 als erste der Arbeitsmigranten nach Großauheim zu Brown Boveri & Cie. kamen. Wie lebten sie, wie haben sie sich zurechtgefunden? Sind sie angekommen? Und worin bestand und besteht dieses Ankommen? Diesen Fragen gingen auch Schülerinnen und Schüler der Lindenauschule in Hanau nach, indem sie in Hanau verbliebende Spanier*innen in Videoaufnahmen vorstellen und nach ihren Erfahrungen und Lebenswelten befragen.
Zu den weiteren Programmpunkten gehört ein quasi dokumentarisches Theaterstück, das Studierende von der Frankfurt University of Applied Sciences aus biografischen Fragmenten zusammengestellt haben. Sie rücken die Lebenszusammenhänge und Lebenswege der Migrant*innen in den Mittelpunkt, fragen nach ihrem Anteil am »Wirtschaftswunderland« Deutschland, nach ihrem Alltag in einem fremden Land. »Und es kamen Menschen« am 27.1., 19 Uhr, Instituto Cervantes.
»Wahrscheinlich einer der besten Dokumentarfilme überhaupt«, schrieb die spanische Tageszeitung El Mundo über »Der Zug der Erinnerung« von Marta Arribas und Ana Pérez, der am 20.2. um 19 Uhr in Anwesenheit von Marta Arribas gezeigt werden wird. Dieser Film führt von Spanien nach Nürnberg und setzt ein dokumentarisches Mosaik aus kollektiver Erinnerung zusammen, wirft Schlaglichter auf Themen der Migration, die unbelichtet bleiben sollten, wie Illegalität und Analphabetismus, und gibt genau jenen eine Stimme, die darunter zu leiden hatten.
Spannend auch, wie sich Spanien – unterstützt vom Franco-Regime, das von den einströmenden Devisen profitierte – seinen Platz in der Tourismusbranche eroberte. Dies ist Thema eines Abends mit dem Journalisten Raimund Allebrand, der der Frage nachgeht, wie der Fremdenverkehr das Land geprägt hat, wie es mit seiner wirtschaftlichen Abhängigkeit vom Tourismus umgeht und wie es die Klimakrise bewältigen kann. Am 5.3. im Saalbau Dornbusch um 19.30 Uhr.
Zu einem Debattencafé lädt das Institut am 7.3. um 19 Uhr ein. Es wird sich der Frage widmen: »60 Jahre Migration in Deutschland: musterhafte Integration?«

as / Foto: Spanier in Hessen, 1963, © privat
www.frankfurt.cervantes.es

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