Theater Gruene Sosse zeigt Evan Placeys »Mädchen wie die«

Mitten in der Geschichtsstunde blinken die Handys auf: Ein Nacktfoto von Scarlett. Sofort wird das Bild weitergeleitet und geteilt. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Neuigkeit und innerhalb weniger Sekunden ist die gesamte Schule eingeweiht. »Schlampe« denken sich ihre Mitschülerinnen und meiden, verspotten und beleidigen Scarlett. Es dauert nicht lange, und ein zweites Foto taucht auf: Wieder ein Nacktfoto, doch diesmal ist ein Junge zu sehen, der allseits beliebte Russell. Der Spießrutenlauf, den Scarlett hinter sich hat, steht Russell nicht bevor. Für Jungs gelten anscheinend andere Regeln.
Das Jugendstück »Mädchen wie die« thematisiert auf explosive, aber auch humorvolle Art entstehende Machtverhältnisse und Gewaltdynamiken. Der australisch-britische Autor Evan Placey beschreibt das grausame Phänomen des Cyber-Mobbings und wirft die Frage nach der gelebten Gleichberechtigung der Geschlechter unter Jugendlichen auf.
Das mehrfach in England und Deutschland ausgezeichnete Stück –- Originaltitel »Girls Like That« – gehörte im Frühjahr am Staatstheater Darmstadt unter der Regie Nike-Marie Steinbach zu den Publikumsrennern (damals unter freiem Himmel in einem Boxring). Für das Theater Gruene Sosse in Frankfurt betont Regisseurin Christina Schelhas den historisch-feministischen Aspekt und bringt auch die Erfahrungen anderer Frauengenerationen ein. Die Schulklasse, von der dieses Stück handelt und in der das alles stattfindet, recherchiert deren Positionen im Auftrag der Lehrerin bei Eltern und Älteren.
Auf der Bühne lassen sich Kathrin Marder, Larissa Robinson, Friederike Schreiber und Verena Specht-Ronique über »Mädchen wie die« und anderes aus. Die Aufführung selbst hätte bereits im Jahr 2019 stattfinden sollen und geht nun unter geänderten personellen Konstellationen auf der Bühne an den Frankfurter Neustart.

gt (Foto: © Katrin Schander)

28., 30.11., 19 Uhr; 29.11., 11 + 19 Uhr; 1., 2.12., 9 + 11 Uhr
www.theatergruensosse.de

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